Uplengen/Leer, 18. Mai 2018.- Im Juli wird der Niedersächsische Landtag voraussichtlich die Novellierung des Kindertagesstättengesetzes beschließen. Darin geht es unter anderem um die Verlagerung der Sprachförderung von der Grundschule in den Kindergarten. Was die Wünsche der Erzieherinnen und Erzieher, der Lehrerinnen und Lehrer sowie auch von Eltern in der aktuellen Bildungspolitik sind, wollten die CDU-Landtagsabgeordneten Mareike Wulf (Hannover) und Ulf Thiele (Remels) in zwei Diskussionsveranstaltungen in Remels und Leer erfahren. Beide Politiker sind stellvertretende Vorsitzende ihrer Landtagsfraktion. Mareike Wulf ist in der CDU-Fraktion für die Bildungs- und die Wirtschaftspolitik verantwortlich, Ulf Thiele für die Bereiche Haushalt und Finanzen, Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Regionalentwicklung. „Das waren gute Gespräche“, berichtete Ulf Thiele nach den Veranstaltungen. Auch Mareike Wulf war sehr zufrieden, freute sich vor allem über die Offenheit, mit der Lob gespendet, aber auch Kritik geübt wurde.

Begrüßt wurde allgemein, dass das Land die Mittel für die Sprachförderung von sechs auf 32 Millionen Euro im Jahr erhöht hat. „Die Sprachförderung wird gesetzlich festgeschrieben“, sagte Mareike Wulf und ging damit auf die Kritik ein, dass bislang bei Unterrichtsausfall oft als erstes die Sprachförderung weggefallen sei. Das passiert auch deshalb nicht mehr, weil die Sprachförderung künftig in den Kindergärten stattfindet, die dafür mit mehr Personal ausgestattet werden müssen. „Wir sollten dabei auch zusätzliche Qualifikationen wie die Logopäden mit ins Boot holen“, regte Mareike Wulf an.

Beim Personal gibt es allerdings Probleme. „Lehrer und Erzieher wachsen nicht auf Bäumen“, betonte die Politikerin aus Hannover, die seit Oktober Mitglied des Niedersächsischen Landtages ist und vorher als Geschäftsführerin der Unternehmerverbände Niedersachsen tätig war. „Wir brauchen neue Ideen und neue Strukturen, um das Ganze in den Griff zu bekommen.“ Ulf Thiele bezifferte den Mehrbedarf an Lehrern auf „etliche hundert Stellen landesweit“. Mareike Wulf möchte mehr Abiturienten für das entsprechende Studium begeistern: „Lehrer sein ist nicht nur ein sicherer Beruf, sondern hat in der jetzigen Lage quasi eine Einstellungsgarantie“, sagte sie.

Die haben auch Erzieher und Erzieherinnen. Deren Ausbildung dauert aber insgesamt fünf Jahre und die musste bisher „bei privater Ausbildung auch noch selbst finanziert werden“, so Ulf Thiele. Zunächst müssen die künftigen Erzieher eine zweijährige Ausbildung zu Sozialassistenten absolvieren, anschließend wird die dreijährige eigentliche Erzieherausbildung oben draufgesattelt. Die Ausbildung müsse flexibler werden. Auch müsse man darüber nachdenken, wie man den „Quereinstieg erleichtern“ könne, ist Mareike Wulf überzeugt. Die CDU-Fraktion habe daher einen Vorschlag für eine dualisierte Ausbildung erarbeitet, die die Qualitätsstandards erhalte, die Ausbildung zugleich jedoch attraktiver mache.

„Wir haben noch viel Arbeit vor uns und brauchen für die Lösung der Aufgaben gute Ideen und Konzepte“, sagte Ulf Thiele nach den Gesprächen in der Oberschule Uplengen und im Kulturspeicher Leer. „Aber wir sind auf einem guten Weg“, ist er sicher. Die Beitragsfreiheit für die gesamte Kindergartenzeit sei „ein großer Erfolg“ der großen Koalition in Niedersachsen, ebenso die den Eltern eingeräumte größere Entscheidungsspielräume, wann ihr Kind eingeschult wird. „Wir sind hier weg von den starren Regelungen  und das ist gut für die Kinder, deren Eltern am besten wissen, ob ihr Kind schon schulreif ist oder besser noch ein Jahr den Kindergarten besuchen sollte.“ Über diese Punkte wurde bei den Treffen indes kaum gesprochen – „es ging uns aber auch nicht um Lob, sondern darum, zu erfahren, wo es noch Schwierigkeiten und Knackpunkte gibt, derer wir uns annehmen müssen“, so Ulf Thiele.