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Leer, 15. Juni 2017.- „Was technisch möglich ist, muss auch politisch möglich gemacht werden.“ Aber ob die geplante 380-Kilovolt-Leitung im Rahmen des Netzausbaus von Emden/Ost nach Conneforde unter die Ortschaft Oltmannsfehn und dem Naturschutzgebiet Stapeler Moor hindurch verlegt werden kann, statt durch diese oberirdisch hindurch geführt zu werden, „ist nicht vollständig geprüft“. Das erfuhr der Landtagsabgeordnete und Generalsekretär der CDU in Niedersachsen, bei einem Ortstermin mit dem Bürgermeister der Gemeinde Uplengen Enno Ennen und Vertretern des Unternehmens TenneT TSO GmbH, die die Stromtrasse plant. „Diese Prüfung der Machbarkeit habe ich von TenneT und vom Landkreis Leer eingefordert“, so Ulf Thiele.
Die Erdkabel nur unter Oltmannsfehn zu verlegen, mache wenig Sinn, findet der Abgeordnete. Denn dort, wo die Stromleitung von den oberirdischen Strommasten ins Erdkabel führt und später wieder raus, müssen Übergabepunkte gebaut werden, die fast so groß sind wie Umspannwerke. Deshalb soll nach Thieles Vorstellungen jetzt auch die weitergehende Erdverkabelung unter dem Naturschutzgebiet Stapeler Moor hindurch geprüft werden. Zulässig sei die Erdverkabelung in diesem Bereich in jedem Fall. Denn die geplante Stromtrasse ist eine der gesetzlich festgelegten Referenzstrecken, auf denen die Erdverkabelung getestet werden soll. Ob und mit welchem Aufwand sie auch technisch durchführbar und sinnvoll sei, müsse geprüft werden. „TenneT ist dazu bereit“, erfuhr Ulf Thiele. Dass der Landkreis Leer einer neuen Oberleitung quer durch das wertvolle Stapeler Moor bereits zugestimmt habe, sei für ihn unverständlich.
Durch das weiter westlich gelegene Naturschutzgebiet Neudorfer Moor führt ebenfalls bereits eine 220-kV-Freileitung. Die Untere Naturschutzbehörde das Landkreises hat den Bauherrn der neuen Leitung nach Angaben von TenneT wissen lassen, dass die neue 380-kV-Leitung außerhalb des Naturschutzgebietes entlang zu führen sei.
„Dabei ersetzt sie nur die bestehende Leitung. Südlich des Neudorfer Moores käme die Leitung ansonsten recht dicht an die Wohnbebauung heran“, so Ulf Thiele, und das könne und müsse verhindert werden. Außerdem sei der Sandrücken durch das Moor breit genug, dass dort die neue  Oberleitung parallel zu der Bestehenden installiert werden könne. Darüber hat Ulf Thiele zwischenzeitlich auch mit Landrat Mathias Grote gesprochen. Dieser hat zugesagt, TenneT und die Staatliche Moorverwaltung als Eigentümerin der Flächen, gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde kurzfristig zu einem Gespräch einzuladen.
Derzeit bereite TenneT den Antrag für das Planfeststellungsverfahren vor. „Das Gespräch muss baldmöglichst erfolgen, damit die bestmögliche Lösung gefunden und noch im Planfeststellungsantrag von TenneT umgesetzt werden kann. Es muss einen größeren Abstand zwischen der TenneT-Leitung und der Wohnbebauung geben.“ Die Gespräche müssten vor Verfahrensbeginn geführt werden, denn während des Verfahrens noch Veränderungen vorzunehmen, sei „ungleich schwieriger“. Bei TenneT jedenfalls hat Ulf Thiele eine Gesprächsbereitschaft festgestellt: „Jetzt ist der Landrat am Zuge“, so der Abgeordnete.