Thiele: Friesenschule zeitnah für das Startchancenprogramm ertüchtigen

Leer.

Die Friesenschule in Leer gehört zu den bundesweit rund 4.000 Schulen – 390 davon in Niedersachsen – die über einen Zeitraum von zehn Jahren im Rahmen des sogenannten Startchancenprogramms gefördert werden. Mit insgesamt bundesweit rund 20 Milliarden Euro wollen Bund und Länder seit dem Schuljahr 2024/25 gezielt Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Kinder stärken und damit mehr Chancengerechtigkeit schaffen. Im Mittelpunkt stehen die Förderung grundlegender Kompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen sowie die Verbesserung der schulischen Infrastruktur. Der Landtagsabgeordnete Ulf Thiele (CDU) informierte sich vor Ort in der Friesenschule über die Situation der Schule und die geplanten Maßnahmen.

„Dass die Friesenschule und auch der Gutenbergschule 2024 in das Startchancenprogramm aufgenommen wurden, gibt die Möglichkeit, diese – aus Sicht das Landes – Brennpunktschulen mit einem veränderten Konzept besser auf die besonderen Herausforderungen der Schülerschaft auszurichten“, befindet Thiele. Allerdings sei der bürokratische Aufwand enorm, wie Schulleiter Thomas von Garrel im Gespräch mit dem Abgeordneten erläuterte. Jede einzelne Fördermaßnahme müsse vor Mittelabruf nochmals gesondert begründet werden. Dies binde sowohl in den Bewilligungsbehörden als auch an den Schulen erhebliche personelle Ressourcen, die eigentlich für Unterricht und Förderung der Schülerinnen und Schüler benötigt würden.

An der Friesenschule sollen insbesondere im sogenannten A-Trakt auf zwei Etagen sechs zusätzliche Gruppenräume an bestehende Klassenräume angebaut werden. Dadurch soll die Arbeit in kleineren Lerngruppen erleichtert und herausfordernde Situationen im Schulalltag besser entzerrt werden. Das veränderte und aus dem Programm geförderte pädagogische Konzept macht diesen Anbau erforderlich. „Das ist die Grundlage für die veränderte Pädagogik. Ohne diese Gruppenräume können wir das Konzept nicht umsetzen“, so von Garrel.

Die besonderen Herausforderungen an der Friesenschule wurden bei dem Besuch sehr deutlich. Rund 400 Schülerinnen und Schüler besuchen die Realschule. Der Anteil von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund liegt nach Angaben der Schulleitung zwischen 75 und 80 Prozent. Viele Familien stammen aus arabisch geprägten Regionen sowie aus osteuropäischen Ländern wie der Ukraine oder Russland. „Das funktioniert insgesamt wirklich gut, weil wir ein sehr engagiertes Kollegium haben und das Miteinander von Respekt und Toleranz geprägt ist“, betonte Lehrerin Jessia Okken, die an der Friesenschule das Startchancenprogramm betreut.

Bei einem Rundgang über das Schulgelände wurde zugleich der erhebliche bauliche Sanierungsbedarf sichtbar. Das Schulgebäude stammt aus dem Jahr 1964 und wurde lediglich zwei Jahre später um den F-Trakt erweitert. Seitdem seien nur wenige größere Modernisierungen erfolgt. Insbesondere die Fassade weist inzwischen deutliche Schäden auf.

„Klug getätigte Investitionen in unsere Schulen sind Investitionen in die Zukunft der nächsten Generation und damit unseres Landes. In einem rohstoffarmen Land wie Deutschland ist gute Bildung die wichtigste Voraussetzung, um Wohlstand und Wachstum langfristig zu sichern“, erklärte Thiele. Deshalb sei es dringend erforderlich, die baulichen Voraussetzungen für das Startchancen-Konzept der Friesenschule schnell zu schaffen, damit auch die pädagogischen Maßnahmen ihre volle Wirkung entfalten könnten. Dabei sei der Landkreis Leer als Schulträger in besonderer Weise gefordert. In dem Zuge sei auch eine Sanierung der Außenfassade des A-Traktes zwingend notwendig, erklärte Thiele nach dem Besuch an der Schule. Dort splittere das Holz an zahlreichen Fenstern bereits großflächig ab. „Der Landkreis Leer ist als Schulträger gut beraten, neben dem zeitnahen Anbau auch die Fassadensanierung anzugehen. Das verbessert nicht nur die Lernbedingungen, sondern hilft zugleich beim Energiesparen“, so Thiele.

Zugleich kritisierte er die Unterrichtsversorgung in Niedersachsen unter der rot-grünen Landesregierung als alarmierend. Angesichts des Lehrermangels und eines sinkenden Unterrichtsniveaus brauche es eine Kraftanstrengung für mehr Lehrpersonal. Darüber hinaus müssten Lehrkräfte durch mehr Schulsozialarbeit, Verwaltungsassistenz sowie professionellen IT-Support spürbar entlastet werden, so Thiele abschließend.


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