CDU-Arbeitskreis Häfen nach Besuch bei Maritimen Campus:
| Pressemitteilung vom 20. August 2026 | |
Leer. Fahren Schiffe und Fähren auf der Nordsee bald autonom, also ohne Kapitän oder Steuermann? Weshalb sind optimale Aus- und Weiterbildungsbedingungen trotz KI (Künstliche Intelligenz) für Seeleute in Zukunft noch wichtiger? Warum kann Ostfriesland vom digitalen Wandel in der Schifffahrt besonders profitieren und welche Voraussetzungen muss die Politik dafür schaffen? Und transportieren bald wieder Segelschiffe unsere Waren und Güter über die Weltmeere, statt Schweröl-Getriebene Motoschiffe? Der Landtagsabgeordnete Ulf Thiele (CDU) besuchte zu diesen und weiteren Fragen gemeinsam mit dem Arbeitskreis Häfen und Schifffahrt der CDU-Fraktion im Niedersächsischen Landtag den Maritimen Campus in Leer.
Thiele und seine Landtagskollegen sind sich nach dem intensiven Einblick in die Arbeit des Maritimen Kompetenzzentrums (MARIKO), des Greenshipping-Kompetenzzentrums, der Schiffssimulation der Nautitec GmbH und des Maritimen Technikums der Hochschule Emden-Leer sicher, dass sich viele neue Chancen für Ostfriesland ergeben können – wenn die Weichen zukunftsweisend gestellt werden. „Leer ist weit mehr als ein traditionsreicher Schifffahrts- und Reedereistandort. Hier ist in den vergangenen Jahren ein starkes Netzwerk aus maritimer Wirtschaft, Forschung, Ausbildung und Technologietransfer entstanden. Diese Verbindung ist eine große Chance für unsere Region. Maritime Zukunft wird in Leer gemacht“, erklärte Hartmut Moorkamp, Sprecher für Häfen und Schifffahrt der CDU-Landtagsfraktion, nach dem Besuch. Moorkamp, Thiele und die Landtagsabgeordneten Katharina Jensen, Saskia Buschmann und Claus Seebeck erhielt auf dem Maritimen Campus Leer nach eigenem Bekunden wertvolle Informationen über aktuelle Projekte und die Entwicklung des maritimen Kompetenzstandortes.
Bei der MARIKO GmbH und dem angegliederten GreenShipping Kompetenzzentrum Niedersachsen lenkten die MARIKO-Geschäftsführerin Katja Baumann und der Projekt- und Teamleiter für GreenShipping Sören Berg sowie Landrat Groote für den MARIKO-Gesellschafter Landkreis Leer den Blick der Abgeordneten auf das deutsch-niederländische Projekt „Ferry Go“. Warum? Beide Länder haben einen ausgedehnten Fährverkehr zu den Inseln. Und bei diesem innovativen Projekt wurde untersucht und erprobt, unter welchen Voraussetzungen der Einsatz teilautonomer und autonomer Systeme auf Fähren im deutsch-niederländischen Wattenmeer möglich ist. Neben technologischen Fragen und dem Einsatz Künstlicher Intelligenz werden dabei insbesondere nautische, schiffbauliche, sicherheitstechnische und rechtliche Anforderungen betrachtet.
„Projekte wie Ferry Go! zeigen, dass Digitalisierung und Künstliche Intelligenz längst ganz konkrete maritime Anwendungen erreichen. Gerade für unsere Region mit ihren Inselverkehren und ihrer starken maritimen Wirtschaft ergeben sich daraus große Chancen. Entscheidend ist, dass Innovation nicht nur erforscht wird, sondern möglichst schnell ihren Weg in die praktische Anwendung findet“, so Thiele. Dabei gehe es gar nicht unbedingt um den Ersatz von Personal durch Technik, sondern insbesondere um neue Sicherheitssysteme, mit denen auf eng befahrenen Gewässern das Unfallrisiko gesenkt werden könne.
Eine gute Aus- und Weiterbildung von Seeleuten werde trotz des Einsatzes oder besser wegen des Einsatzes autonomer oder teilautonomer Systeme noch wichtiger. Denn sie ist nicht unfehlbar. Daher bleibt die Verantwortung beim Menschen. Das wurde beim Besuch des Arbeitskreises bei der Nautitec GmbH deutlich. Dort stellten der neue Geschäftsführer, Kapitän Finn Kosel, gemeinsam mit seinem Team den Schiffsführungssimulator vor. Mit moderner Simulationstechnik können anspruchsvolle Situationen auf See und vor allem Fluss- und Hafenareale realitätsnah dargestellt und trainiert werden. Ein Hafen-Neu- oder Umbau irgendwo auf der Welt ist im Simulator oftmals schon befahrbar, wenn vor Ort noch die Planer über unbebaute Flächen laufen. Damit leistet die Technologie einen wichtigen Beitrag zur Hafenplanung und vor allem auch zur Aus- und Weiterbildung sowie zur Sicherheit in der Schifffahrt.
Dritte Station auf dem Campus-Gelände rund um den Hochschulstandort Leer war das Maritime Technikum der Hochschule Emden/Leer. Hochschulpräsident Prof. Dr. Marco Rimkus, Prof. Dr. Marcus Bentin, Dekan des Fachbereichs Seefahrt und Maritime Wissenschaften, und Prof. Dr. Klaus Heilmann, Prodekan des Fachbereichs, informierten über Forschung, Lehre und die technischen Möglichkeiten des Standortes. Das Maritime Technikum bündelt unter anderem Kompetenzen in Schiffsführungssimulation, Schiffstechnik, Meerestechnik und der Erforschung zukünftiger Schiffsantriebe.
Für Ulf Thiele kommt dem Standort Leer angesichts der Transformation der maritimen Wirtschaft eine besondere Bedeutung zu: „Niedersachsen ist Hafen- und Schifffahrtsland. Diesen Anspruch müssen wir auch für die nächste Generation maritimer Technologien verteidigen. Wir brauchen deshalb starke Forschungs- und Ausbildungsstandorte, einen schnellen Wissenstransfer in die Unternehmen und verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen. Leer bringt dafür hervorragende Voraussetzungen mit.“
Dabei gehe es nicht allein um Klimaschutz und neue Technologien, sondern ebenso um die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen maritimen Wirtschaft und um qualifizierte Arbeitsplätze in der Region. Green Shipping, Digitalisierung, Automatisierung und alternative Antriebssysteme würden die Schifffahrt in den kommenden Jahren erheblich verändern. „Unser Ziel muss sein, dass die Technologien für die maritime Transformation nicht nur anderswo entwickelt und anschließend bei uns eingesetzt werden. Wir wollen Forschung, Entwicklung, Wertschöpfung und qualifizierte Arbeitsplätze in Niedersachsen und möglichst viel davon hier in Ostfriesland halten und neu schaffen“, betonte Thiele.
Ein besonderer Dank gelte MARIKO-Geschäftsführerin Katja Baumann, die das Mariko und das GreenShipping-Kompetenzzentrum über ein Jahrzehnt geprägt und derart leistungsfähig gemacht habe. Sie hatte auch die Bereisung vorbereitet, koordiniert und den Arbeitskreis durch die verschiedenen Stationen begleitet. „Der Austausch hat eindrucksvoll gezeigt, welches Potenzial in der engen Zusammenarbeit von Hochschule, Forschung und maritimer Wirtschaft liegt. Dieses Netzwerk wollen wir politisch weiter stärken“, so Moorkamp abschließend.


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